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Übersicht

FISCHER: ÖKUMENE IN BADEN VORBILD FÜR DEUTSCHLAND
Nordrhein-Westfalen: Wie Kirchenmitglieder abstimmten

Entwicklungsdienste fordern mehr Anstrengungen gegen Landraub
Bischof: Viele Christen aus Nahost verlassen ihre Heimat
TAUSENDE KONFIRMATIONEN IN BADEN
Per E-Mail einen Suizid verhindern
In der Ökumene ganz vorne

Rechtsexperte meint: Islamische «Friedensrichter» sind keine große Gefahr
Klaus Staeck kritisiert Medien-Trend zur Skandalisierung
UWE HAUSER NEUER DIREKTOR DES RELIGIONSPÄDAGOGISCHEN INSTITUTS
«Predigten für das Auge»
Prädikanten sind keine Ersatzpfarrer

Diakoniechef: Kindertagesstätten zu Familienzentren ausbauen
«Es gibt keine mobbingsichere Mediennutzung»
Reformationsjubiläum 2017: Ein Fest europäischer Dimension
SYNODE: KIRCHE SETZT WEITER AUF NEUE MILIEUS / GEMEINDEFUSIONEN
KELLER: EVANGELISCHE KITAS LEISTEN GROSSEN BEITRAG ZUR INTEGRATION

SYNODE: Kirche setzt auf Internet
Theologe: Protestanten haben zu Bildungskrise beigetragen
Synode: FISCHER: GEGEN DIE „GEFANGENSCHAFT WÖRTLICHEN VERSTEHENS“ DER BIBEL
Synode: FRÜHJAHRSTAGUNG DER LANDESSYNODE HAT BEGONNEN
NEUE FORMEN DES ZUSAMMENLEBENS DER GENERATIONEN

http://www.evdekanat-salem.de/pm/pm.htm

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15. Mai 2012

FISCHER: ÖKUMENE IN BADEN VORBILD FÜR DEUTSCHLAND

Evangelische Kirche setzt Akzente auf Mannheimer Katholikentag

Karlsruhe. Vor dem Katholikentag in Mannheim hat Landesbischof Ulrich Fischer die Ökumene in Baden als vorbildlich für ganz Deutschland bezeichnet. Er erhoffe sich von dem Treffen neuen Schwung für das Miteinander von evangelischer und katholischer Kirche, sagte Fischer.

Die "badische Ökumene auf Augenhöhe" zeige sich in der Beteiligung vieler evangelischer Christen an dem fünftägigen Treffen. Zudem finde der zentrale ökumenische Gottesdienst des Katholikentags in der evangelischen Christuskirche statt, unterstrich der Landesbischof.
Fischer nimmt an allen Tagen am Katholikentag teil und leitet am Samstagmorgen eine Bibelarbeit (Biblischer Impuls) in der Christuskirche. Am Freitag predigt er beim zentralen ökumenischen Gottesdienst. Auch die Präsidentin der badischen Landessynode, Justizrätin Margit Fleckenstein, leitet eine Bibelarbeit (Freitag).

Prälat Traugott Schächtele arbeitete als evangelischer Vertreter im Programmausschuss des Katholikentages mit. Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht diskutiert in Mannheim über "Religion an berufsbildenden Schulen". Der evangelische Landeskantor Johannes Michel hat eine Messe für den Schlussgottesdienst am Samstag komponiert. Auch die Mannheimer evangelische Kirche setzt auf dem Katholikentag zahlreiche Akzente.

Fischer, Mitglied im Kontaktkreis von EKD und Deutscher Bischofskonferenz, erinnerte daran, dass im Rahmen der Leitlinien "Charta Oecumenica" in Baden fast 100 Partnerschaften zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden geschlossen wurden. Zudem gebe es gemeinsame und gleichberechtigte Traugottesdienste. Als ein besonders gelungenes Beispiel einer gelebten Ökumene verwies er auf das ökumenische Bildungszentrum sanctclara in Mannheim.

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14. Mai 2012

Nordrhein-Westfalen: Wie Kirchenmitglieder abstimmten

Düsseldorf (idea) – Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai hat sich nur noch etwa jeder fünfte protestantische Wähler für die Partei mit dem „C“ entschieden. Deutliche Verluste erlitt die CDU auch bei Katholiken, die traditionell eher der Union zuneigen. Das geht aus einer Wahltagsbefragung des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap (Berlin) im Auftrag der ARD hervor.

Klarer Wahlsieger ist die SPD (39,1 Prozent), die im Vergleich zur Wahl 2010 um 4,7 Prozentpunkte zulegte. Sie kann unter Führung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zusammen mit Bündnis 90/Die Grünen (11,3 Prozent/-0,8) eine Regierung bilden. Wahlverlierer ist die CDU, die mit ihrem Spitzenkandidaten Norbert Röttgen lediglich 26,3 Prozent erreichte (-8,2), das bisher schlechteste Ergebnis in dem Bundesland. Im künftigen Landtag vertreten sind ferner die FDP (8,6 Prozent/+1,9) und die Piraten-Partei (7,8 Prozent/+6,3). Fast jeder zweite evangelische Wähler votierte für die Sozialdemokraten (46 Prozent/+3). Sie konnten bei den Katholiken überdurchschnittlich zulegen (34 Prozent/+6). Die CDU liegt damit bei den katholischen Wählern (36 Prozent/-10) nur noch zwei Prozentpunkte vor der SPD. Bei den Protestanten büßte die Union 7 Prozentpunkte ein und erreichte 21 Prozent der Stimmen. Jeweils 8 Prozent entschieden sich für FDP und Piraten. Bei den katholischen Wählern holten diese Parteien 9 bzw. 7 Prozent. Klarer Spitzenreiter bei den Konfessionslosen ist die SPD (40 Prozent/+4). In dieser Wählergruppe fiel die CDU (12 Prozent/-7) noch hinter die Grünen (15 Prozent/-2) zurück und konnte sich nur noch knapp vor den Piraten behaupten (11 Prozent/+8). Sie treten für eine stärkere Trennung zwischen Staat und Kirche ein. 9 Prozent der Konfessionslosen bevorzugten die Liberalen (+3). Die christliche Kleinpartei AUF für Arbeit, Umwelt und Familie – Christen für Deutschland verdoppelte fast ihre Stimmenzahl auf 10.224, was einem Anteil von 0,1 Prozent entspricht. Die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) hatte nicht die nötige Zahl von Unterschriften für die Zulassung zur Wahl erreicht.

EAK der CDU: Christliches Menschenbild muss Leitschnur bleiben
Der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU in Nordrhein-Westfalen, der Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein (Burbach bei Siegen), sprach von einem „bitteren Tag“ für seine Partei. „Es ist uns nicht gelungen, mit den für Nordrhein-Westfalen wichtigen Zukunftsfragen bis in die Herzen der Menschen zu gelangen. Die Wahl wurde zur Abstimmung über die Sympathiewerte der Spitzenkandidaten“, erklärte Klein gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Die CDU müsse noch deutlicher machen, „warum wir wie entscheiden und auf der Basis welcher Wertvorstellungen wir unser Land mitgestalten wollen“. Die Orientierung am christlichen Menschenbild müsse Leitschnur bleiben. Darüber in Deutschland einen Konsens zu finden, werde allerdings immer schwieriger.

CDL: Christliche und konservative Wähler zurückgewinnen
Der nordrhein-westfälische Landesverband der innerhalb der Unionsparteien aktiven Initiative „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) sieht die Ursachen für die Wahlniederlage hausgemacht. Christliche und konservative Stammwähler kämen seit Jahren mit ihren Positionen in der Partei immer weniger vor und blieben bei Wahlen zu Hause. „Die CDU ist als C-Partei nicht mehr glaubwürdig“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Susanne Bajog (Castrop-Rauxel) gegenüber idea. Auch in Lebensrechtsfragen positioniere sich die CDU nicht eindeutig, wie die Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik (PID) gezeigt habe. Die Partei müsse sich jetzt schnell Gedanken machen, wie sie ihr Wählerpotential zurückgewinnen könne.

Präses Schneider: Wähler wollen klare Verhältnisse
Auch führende Vertreter der Kirchen in Nordrhein-Westfalen nahmen zum Wahlausgang Stellung. Nach den Worten des rheinischen Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf) zeigt das Ergebnis, dass die Wähler „sichere Mehrheiten und damit klare Verhältnisse wollen“. Dies sei zugleich Auftrag an die künftige Landesregierung, in finanziell und gesellschaftlich schwierigen Zeiten die soziale Sicherheit der Menschen und das friedliche Zusammenleben aller im Blick zu behalten. Schneider – auch EKD-Ratsvorsitzender – wünschte der künftigen Landesregierung und allen Abgeordneten für ihre Aufgaben eine glückliche Hand und Gottes Segen. Schneider wandte sich auch an die Politiker, die die ihr Landtagsmandat verloren haben: „Gott möge sie auch auf neuen Wegen geleiten.“

Präses Kurschus: Kraft hat Überzeugungskraft
Die westfälische Präses Annette Kurschus (Bielefeld) gratulierte Kraft zu ihrem Sieg. Dieser sei vor allem auf die persönliche Ausstrahlung und Überzeugungskraft der Ministerpräsidentin zurückzuführen. Das Wahlergebnis bestätige „erfreulich klar die Regierungsfähigkeit der bisherigen Koalition“. Zu den Aufgaben der Politik erklärte Kurschus, sie habe dafür Sorge zu tragen, dass in unserer Gesellschaft kein Mensch auf der Strecke bleibe: „Wenn sich die Politikerinnen und Politiker an diesem Grundsatz ausrichten, können sie mit der vollen Unterstützung unserer Kirche rechnen.“ Die Zusammenarbeit zwischen der westfälischen Kirche und der Landesregierung in den beiden zurückliegenden Jahren beschrieb die Präses als „vertrauensvoll und unkompliziert“. Als Beispiele nannte sie die Schulpolitik und den Schutz des Sonntags. Der Leiter der Lippischen Landeskirche, Landessuperintendent Martin Dutzmann (Detmold), begrüßte ebenfalls die stabile Regierungsmehrheit. Sie mache eine langfristige und verlässliche Politik möglich, „die von uns auch künftig konstruktiv und kritisch begleitet wird“. Dutzmann dankte allen, die bereit waren und sind, „Verantwortung in schwieriger Zeit für unser Gemeinwesen zu übernehmen“.

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14. Mai 2012

Entwicklungsdienste fordern mehr Anstrengungen gegen Landraub

Bonn, Stuttgart (epd). Kirchliche Hilfswerke mahnen zum Schutz gegen Landraub in
Entwicklungsländern mehr Engagement in Deutschland an. Nötig sei ein öffentliches Register aller
deutschen Agrarinvestoren, die Land in Entwicklungsländern pachten oder kaufen, erklärten der
Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und «Brot für die Welt» (Stuttgart) am Donnerstag in
einer gemeinsamen Erklärung. Die Bundesregierung solle prüfen, ob durch die Landkäufe
Menschenrechte verletzt oder Konflikte verschärft würden.

Land sei inzwischen Objekt für Investoren und Spekulanten geworden, kritisierten die
Hilfswerke. Dabei sei das Ziel der Hungerbekämpfung deutlich ins Hintertreffen geraten. Der
Zugang zu Ackerland sei die entscheidende Voraussetzung im Kampf gegen Hunger und Armut.
Die Leitlinien für verantwortungsvolle Landpolitik, die von den Vereinten Nationen am Freitag in
Rom verabschiedet werden sollen, seien ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, begrüßte
Brot-für-die-Welt-Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel die Forderung der Vereinten Nationen nach
einer verantwortungsvollen Landpolitik. «Wir fordern die Bundesregierung auf, diese Leitlinien in
Deutschland umzusetzen und ein allgemein zugängliches Register mit allen Firmen und Fonds zu
erstellen, die bei Landinvestitionen aktiv sind.»

Partnerorganisationen in betroffenen Entwicklungsländern könnten sich auf diese Leitlinien
beziehen, um die Landnutzungsrechte armer und entrechteter Bevölkerungsgruppen zu verteidigen,
erklärte Claudia Warning vom EED-Vorstand. Landkäufe im großen Stil verschärften Konflikte vor
Ort und behinderten die Entwicklung. Deutsche und europäische Firmen und Fondsgesellschaften
seien mit Milliardeninvestitionen stark beteiligt.

EED und Brot für die Welt bezeichnen Landraub als eines der drängendsten Probleme für die
Menschen in Afrika und Asien. Seit dem Jahr 2000 hätten sich internationale Investoren rund 83
Millionen Hektar vor allem in Afrika angeeignet. Diese Fläche stehe nicht mehr als Acker- oder
Weideland und damit zur Versorgung der häufig unterversorgten Bevölkerung zur Verfügung. Oft
würden die Kleinbauern, Nomaden oder indigene Bewohner mit Gewalt vertrieben, ohne
Entschädigung umgesiedelt oder zur Verpachtung oder zum Verkauf der Grundstücke gezwungen.
(0969/10.05.2012)

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14. Mai 2012

Bischof: Viele Christen aus Nahost verlassen ihre Heimat

Stuttgart (epd). Immer mehr Christen aus dem Nahen Osten verlassen laut Bischof Suheil Dawini
(Jerusalem) ihre Heimat. Über 100.000 koptische Christen seien bisher aus Ägypten ausgewandert,
sagte der Bischof der Bischöflichen Kirche in Jerusalem und im Nahen Osten am Freitag bei einem
Nahost-Fachgespräch der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) in Stuttgart. Auch junge
christliche Palästinenser gingen nach Europa und Amerika, weil sie zwar gut ausgebildet seien, aber
keine beruflichen Perspektiven hätten.

Samir Esaid, Pfarrer der Arabisch-Bischöflichen Schule in Irbid (Jordanien), sagte, täglich
verließen jordanische Christen unter anderem wegen mangelnder Zukunftsperspektiven ihre
Heimat. Deshalb versuche er, Arbeitsplätze für die jordanischen Christen zu vermitteln. Es sei
wichtig, dass sie in ihrer Heimat blieben, weil sie dort seit 2.000 Jahren als Christen ihren fest
verankerten Platz haben.

Bruder Andrew de Carpentier aus Salt (Jordanien) sagte, der jordanische König sei sehr
aufgeklärt und setze sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen ein.
Jedoch gebe es auch in Jordanien die Gefahr, dass islamistische Kräfte an die Macht gelangen.
Nach Ansicht des Pfarrers der Nationalen Evangelischen Kirche von Beirut, Habib Badr, fühlten
sich viele Christen im Libanon nicht mehr sicher. Dies liege auch an dem zunehmenden islamischen
Fundamentalismus, der sowohl moderate Muslime als auch Christen nicht willkommen heiße.

(0983/11.05.2012) Internet www.ems-online.org www.landesmissionsfest.de

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11. Mai 2012

TAUSENDE KONFIRMATIONEN IN BADEN

Zahlen stabil - Ehrenamtliche "Konfi-Arbeit" im Aufwind

Karlsruhe. In Baden werden in diesen Wochen wieder etwa 13.000 evangelische Jugendliche konfirmiert. "Die Konfirmation ist eine Gelegenheit für junge Menschen, Ja zu ihrer Taufe zu sagen", sagt Landesbischof Ulrich Fischer.

In der Konfirmandenzeit erleben und gestalten die Jugendlichen im Alter von 13 und 14 Jahren Kirche und erfahren, was es bedeutet, vollgültiges Mitglied ihrer Kirchengemeinde zu sein. Seit Jahren ist die Zahl der Konfirmanden relativ stabil. 2011 lag sie bei knapp 13.500 Jungen und Mädchen. Fast alle der evangelisch getauften Jugendlichen nehmen an der Konfirmandenzeit teil. Zudem lassen sich zahlreiche Heranwachsende in der Konfirmandenzeit taufen. Die Zahl der sogenannten Erwachsenentaufen (ab 14 Jahren) lag 2010 in Baden bei 846.

Landesbischof Fischer betonte, die Konfirmation sei oft ein Einstieg zur Mitarbeit in der Kirche. Rund 1.000 Ehrenamtliche, die meisten von ihnen Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren, machen in Baden als "Teamer" im "Konfi" ihrer Kirchengemeinde mit. Dieser Konfirmationsunterricht kann ganz verschieden aussehen: Die meisten Gemeinden haben regelmäßige Treffen am Mittwoch, viele bieten "Konfi-Samstage" an. Beliebt ist die "Konfi-Freizeit", und manche der Jugendlichen erleben lange erlebnisreiche "Konfi-Camps" oder Ferienkurse.

Höhepunkt ist die Konfirmation. In diesem Gottesdienst, der meist in den Wochen nach Ostern stattfindet, werden die Jugendlichen gesegnet und bekommen ein persönliches Bibelwort, den Konfirmandenspruch, mit auf ihren Weg. Als Konfirmierte sind sie dann vollgültige Mitglieder der Kirche und dürfen beispielsweise Paten werden oder an den Kirchenwahlen teilnehmen

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10. Mai 2012

Per E-Mail einen Suizid verhindern

 Gefährdete Jugendliche suchen anonyme

Von Sebastian Stoll (epd) 10.000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben.
Suizidgefährdete Jugendliche können die E-Mail-Beratung der Einrichtung «u25» in Anspruch nehmen.
Doch diese ist so populär geworden, dass viele Jugendliche abgewiesen werden müssen.

Freiburg, Hamburg (epd). Sieben Stunden, dann würde es so weit sein. «Ich kann nicht mehr. Heute
Abend springe ich von einer Brücke.» Ungefähr das war der Inhalt der Mail, die Anne an einem
Mittag erhielt. Geschrieben hatte sie ein Mädchen, das in seiner Kindheit schwersten sexuellen
Missbrauch erlebt hatte. Es dauerte wenige Minuten, dann hatte Anne ihre Antwort verfasst. «Nach
allem, was du geschrieben hast, kann ich das gut nachvollziehen. Aber ich wünsche trotzdem, dass
du einen anderen Weg einschlägst.» Danach hörte Anne nichts mehr von dem Mädchen, wochenlang.
«Das belastet mich dann schon. Trotzdem versuche ich immer, mich davon nicht in meiner Laune
beeinflussen zu lassen», sagt sie dazu.

24 Jahre ist Anne alt. Sie wird in diesem Text anonym bleiben - genauso wie gegenüber dem
Mädchen, das ihr jene Mail schrieb. Auch wenn dieser Fall besonders dramatisch war: Ähnliche
Nachrichten bekommt Anne mehrmals in der Woche. Sie ist ehrenamtliche Mitarbeiterin beim
Freiburger Projekt «u25», das eine E-Mail-Beratung für suizidgefährdete Jugendliche anbietet.
Beraten werden diese dort nur selten von professionellen Helfern - sondern von anderen
Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wie von Anne.

«Bevor ein Jugendlicher mit der Beratung anfängt, absolviert er bei uns eine lange
Ausbildungsphase», sagt Solveig Rebholz. Die Sozialarbeiterin ist eine von drei hauptamtlichen
Mitarbeitern des Projekts und begleitet die 44 Betreuer im Alter zwischen 16 und 25. Sie erklärt
ihnen, worum es sich bei einer Depression genau handelt, sie geht mit ihnen Fallbeispiele möglicher
E-Mails durch - und sie bringt ihnen bei, wie sie mit existenziellen Krisen anderer Menschen
umgehen, ohne selbst in eine solche zu rutschen.

Wenn die jungen Menschen nach einigen Monaten so weit sind, werden ihnen zunächst zwei
Klienten zugewiesen. Melden sich diese, sind sie verpflichtet, binnen einer Woche zu antworten.
«Das ist unser Konzept. Bei uns bieten Jugendliche anderen Jugendlichen eine Beziehung an und
sagen: 'Ich begleite dich in deiner Krise.'» Für Jugendliche sei es oft viel einfacher, Hilfe von
Menschen anzunehmen, die selber jung sind. Die Berater zwischen 16 und 25 Jahren kommen zu
«u25», weil sie selbst einmal eine Krise mit Hilfe anderer Menschen überwunden haben und nun
etwas zurückgeben wollen; oder weil sie später in einem sozialen Beruf arbeiten wollen oder einfach
nur, weil sie das Projekt spannend finden. Anne sagt: «Mich treibt an, dass man immer wieder merkt:
Es bringt etwas. Man kann allein mit geschriebenen Wörtern helfen.»

Einfach da zu sein - das ist im Grunde das ganze Geheimnis von «u25». Es funktioniert so gut,
dass die Einrichtung genau damit mittlerweile Probleme hat. Den 283 Jugendlichen, die «u25» im
Jahr 2011 begleitet hat, stehen 910 gegenüber, die die Einrichtung abweisen musste. Es sind einfach
zu viele Anfragen. «2010 mussten wir sogar 1.400 Jugendlichen absagen. Es ist ganz schlimm, einen
Menschen abweisen zu müssen, der vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben Hilfe sucht», sagt
Sozialarbeiterin Solveig Rebholz. Die Mittel, die von Stadt, Land und aus ein paar Spenden fließen,
reichten hinten und vorne nicht.

E-Mail-Beratungen wie bei «u25» gibt es noch in Tübingen und Berlin. Der Hamburger
Psychologe und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, Georg Fiedler, stellt fest,
dass Onlineberatungen teilweise in einer «Flut von Anfragen ertrinken». Er fordert deshalb einen
Ausbau der Angebote.

Das Mädchen, das der Beraterin Anne seinen Suizid ankündigte, meldete sich nach einigen
Wochen wieder. Es sei ihr Hund, der sie am Leben gehalten habe, schrieb sie. Und auch ein bisschen
die Unterstützung durch einen anderen jungen Menschen. (0945/09.05.2012)
Internet www.u25-freiburg.de www.suizidprophylaxe.de

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10. Mai 2012

In der Ökumene ganz vorne

In Baden begegnen sich Katholiken und Protestanten auf Augenhöhe

Von Ralf Schick (epd) Freiburg, Mannheim (epd). Wenn das Erzbistum Freiburg in der kommenden Woche zum 98.
Katholikentag in Mannheim einlädt, macht ein längst zum geflügelten Wort gewordenes Zitat wieder
die Runde: In Baden gehen die ökumenischen Uhren anders. Den vor zehn Jahren erstmals vom
badischen evangelischen Landesbischof Ulrich Fischer beim 175-jährigen Jubiläum der Erzdiözese
Freiburg geäußerten Ausspruch nimmt auch der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch immer
wieder auf, um die gemeinsamen Kooperationen und Projekte beider Kirchen im Südwesten zu
untermauern.

Mit knapp zwei Millionen Katholiken gehört das Erzbistum, das sich von der Kurpfalz bis zur
Schweizer Grenze erstreckt, zu den großen der insgesamt 27 Diözesen in Deutschland. Doch in
Baden begegnen sich Katholiken und Protestanten auf Augenhöhe, betonen Zollitsch und Fischer
immer wieder. Wenngleich die Evangelischen in Baden mit knapp 1,3 Millionen deutlich weniger
Gemeindeglieder zählen.

Auch Papst Benedikt XVI. bescheinigte bei seinem Besuch im vergangenen September in Freiburg
den beiden christlichen Kirchen eine Vorreiterrolle in der Ökumene, als er diese in Baden als «ganz
vorne» bezeichnete. Vor allem Mannheim, wo jeweils 100.000 evangelische und katholische Christen
leben, hat dabei eine Art Vorreiterrolle, dort gibt es seit vielen Jahren das in Deutschland nach wie
vor einzige ökumenische Bildungszentrum sanctclara. Dieses sei für die Ökumene «eine
Kraftzentrale», sagt die badische Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein.

In Mannheim verdichteten sich Fragen der Moderne in besonderer Weise, etwa, was das
Zusammenleben von Religionen, Kulturen und Nationen angeht, sagt Zollitsch. Die Stadt habe in den
vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Menschen aufgenommen und erfolgreich integriert, betont der
Erzbischof, der als donauschwäbischer Heimatvertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg im
kurpfälzischen Mannheim eine neue Heimat fand.

Mannheim wird von den örtlichen Kirchenrepräsentanten immer wieder als die Stadt der
Religionen bezeichnet. Moschee, Minarett, Synagoge und die vielen Türme der christlichen Kirchen
liegen alle nur einen Katzensprung voneinander entfernt. Alle zwei Jahre feiern die verschiedenen
Kirchen die «Meile der Religionen» in der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs. Für Erzbischof
Zollitsch ist Mannheim «eine außergewöhnlich offene Gesellschaft, welche die Fähigkeit besitzt,
verschiedene Gruppen zusammenzuführen.»

Die Erzdiözese Freiburg liegt im Südwesten Deutschlands in Nachbarschaft zur Schweiz und zum
Elsass und reicht vom Bodensee und dem Hochrhein im Süden über den Schwarzwald und die
Oberrheinische Tiefebene bis in den Odenwald und an den Main im Norden. Das 1827 errichtete
Erzbistum gehört zu den deutschen Bistümern, die in der nachnapoleonischen Zeit neu gebildet
wurden, um Bistums- und Ländergrenzen in Übereinstimmung zu bringen.

Die ökumenische Zusammenarbeit von Gemeinden verschiedener Konfessionen hat in Baden eine
lange Tradition. Im Jahr 2004 unterzeichneten Fischer und Zollitsch die ökumenische
Rahmenvereinbarung für Gemeindepartnerschaften. Sie knüpft an die Charta Oecumenica an, in der
Leitlinien und Selbstverpflichtungen zur Zusammenarbeit der christlichen Kirchen in Europa
festgelegt sind. Diese Vereinbarung ermöglicht, dass Gemeinden vor Ort ihre ökumenische
Zusammenarbeit verbindlich gemeinsam festlegen.

Inzwischen sind rund 100 Rahmenvereinbarungen verabschiedet worden, meist zwischen
evangelischen und katholischen Pfarr- und Kirchgemeinden, aber auch mit weiteren christlichen
Gemeinden innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Seit rund zwanzig Jahren gibt es
in Baden Gemeinden, in denen Christen aus anderen Ländern und Kontinenten ihre Gottesdienste
feiern. Theologisch gibt es bei den «Gemeinden anderer Sprache und Herkunft» eine große
Bandbreite von evangelischen Gemeinden über orthodoxe bis zu pfingstlich-charismatischen
Gemeinden. (0953/10.05.2012)

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7. Mai 2012

Rechtsexperte meint: Islamische «Friedensrichter» sind keine große Gefahr

Stuttgart, Erlangen (epd). Nach Ansicht des Direktors des «Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa», Mathias Rohe, sind sogenannte muslimische «Friedensrichter» keine große Gefahr für die deutsche Gesellschaft. Nach seinem bisherigen Wissen sei die Bedrohung solcher Parallelinstanzen «sehr überschaubar» und scheine sich auf einzelne Problemmilieus in wenigen deutschen Städten zu konzentrieren, sagte der Jura-Professor dem epd anlässlich des «Runden Tisches Islam», der sich am Donnerstag in Stuttgart zum Thema «Islam und Rechte» traf. Rohe war dort als Gastredner eingeladen.

Grundsätzlich sei außergerichtliche Streitschlichtung erlaubt, in bestimmten Fällen sogar erwünscht, sagte der Rechtsexperte. Problematisch werde es dort, wo Menschen unter Druck gesetzt werden, um auf ihre Rechte zu verzichten, oder Zeugen bedroht werden. Auch im Bereich des Strafrechts seien solche Phänomene eine Gefahr und Herausforderung für den Rechtsstaat.

Bedenklich würde es, wenn versucht würde, eine «Gegengesellschaft» durchzusetzen, die außerhalb staatlicher Schutzmechanismen Konfliktlösung nur noch in eigener Regie übernimmt. Das im vergangenen Sommer erschienene Buch «Richter ohne Gesetz» des Journalisten und Juristen Joachim Wagner hatte für Aufsehen gesorgt. Darin beschreibt Wagner eine islamische Paralleljustiz in Deutschland, die seiner Meinung nach das deutsche Rechtssystem zunehmend aushebelt. Muslimische Friedensrichter setzten gemeinsam mit deutschen Strafverteidigern durch, dass Betrüger und Mörder straflos blieben.

Nach Einschätzung von Rohe schildert Wagners Buch nur Fälle, die sich in sehr spezifischen Milieus kurdischer Großclans abspielen. Daher sei das Phänomen der Friedensrichter eher ein kulturelles Problem als ein religiöses. Die Aufgabe des Staates sei es, die gesamte Bevölkerung immer wieder über die Vorzüge des bestehenden Rechtssystems aufzuklären. Muslime und muslimische Verbände sollten sich weiterhin zur deutschen Rechtsordnung bekennen und darauf aufmerksam machen, dass diese Rechtsordnung Gerechtigkeit für alle Menschen in diesem Landeerstrebe und ermögliche, so der Jurist und Islamwissenschaftler Rohe.

Zum zweiten Mal hat sich der «Runde Tisch Islam» getroffen, den die baden-württembergische Landesregierung einberufen hat. Er solle laut Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) nach Lösungen für konkrete Probleme und Herausforderungen suchen, die in den Integrationsdebatten mit Muslimen verbunden sind. Eingeladen zu der Runde, die sich halbjährlich treffen will und sich an der Islamkonferenz auf Bundesebene orientiere, wurden die großen Islamischen Verbände, muslimische Einzelpersonen in Baden-Württemberg sowie verschiedene Ministerien. Themen waren die Anerkennung islamischer Vereinigungen als Religionsgemeinschaften und Körperschaften des öffentlichen Rechts, Bestattungsrecht, islamische Krankenhaus- und Notfallseelsorge sowie die sogenannten «Friedensrichter». (0890/03.05.2012)

Internet
www.ezire.uni-erlangen.de ,
http://www.integrationsministerium-bw.de 
 

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7. Mai 2012

Klaus Staeck kritisiert Medien-Trend zur Skandalisierung

epd-Gespräch: Lukas Philippi Heidelberg, Berlin (epd). Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck (Heidelberg), wirft den deutschen Medien einen Hang zur «Super-Skandalisierung von Ereignissen» vor. Dies sei eine große Gefahr für die freie Meinungsbildung, sagte Staeck dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am Donnerstag. Das Verbreiten von schnellen Nachrichten über elektronische Medien wie Twitter gehe meist auf Kosten der gründlichen Recherche: «Schnelligkeit führt eben zu Flüchtigkeit.» Zudem bestehe die Gefahr, dass Menschen, die kein Internet nutzen, vom Nachrichtenfluss abgeschnitten werden.

Verantwortlich für diesen Trend seien vor allem die Journalisten selbst, weil sie hofften, mit dieser Form der Berichterstattung neue Leser zu gewinnen. Sobald ein Skandal vermutet werde, stürzten sich die Medien wie in einem Rattenrennen darauf. Eine differenzierte Beurteilung von Ereignissen sei so fast gar nicht mehr möglich, sagte der Akademie-Präsident. Als aktuelles Beispiel nannte Staeck die Berichterstattung über das Israel-Iran-Gedicht von Literaturnobelpreisträger Günter Grass und die Berichterstattung über die Verstrickungen des zurückgetretenen Bundespräsidenten

Die neuen Medien stellen nach Meinung von Staeck zugleich Chance und Bedrohung für die Demokratie dar. Er verwies unter anderem auf die Möglichkeit der Manipulation durch anonym verbreitete Nachrichten über elektronische Medien zum Schaden der betroffenen Menschen. Von der Europäischen Union forderte Staeck ein entschlosseneres Vorgehen gegen Mitgliedsstaaten, in denen Bürgerrechte wie die Pressefreiheit bedroht werden. Als Beispiel nannte er Ungarn, wo die Regierung massiv gegen kritische Medien vorgehe. Ziel der EU müsse es sein, in Ungarn eine gewisse Bandbreite von Medien zu erhalten. Während es 1999 mit Regierungsantritt der rechtsgerichteten FPÖ von Jörg Haider in Österreich noch massive Proteste gegeben habe, stelle sich nun angesichts eines zunehmenden Nationalismus in einzelnen EU-Staaten eine «Art Gewöhnung» ein, kritisierte Staeck. (0903/03.05.2012)

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4. Mai 2012

UWE HAUSER NEUER DIREKTOR DES RELIGIONSPÄDAGOGISCHEN INSTITUTS

Karlsruhe. Schuldekan Dr. Uwe Hauser aus Müllheim wird neuer Direktor des Religionspädagogischen Instituts der Evangelischen Landeskirche in Baden. Der 50-Jährige tritt sein Amt voraussichtlich am 1. November 2012 an.

Hauser wird Nachfolger von Prof. Dr. Hartmut Rupp an, der in den Ruhestand geht. Der gebürtige Karlsruher studierte in Heidelberg und arbeitete als Vikar in Buchen-Eberstadt und in Bruchsal. Von 1991 bis 1998 war er Pfarrer in Karlsruhe, später wurde er Schuldekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald.

Der Theologe promovierte über das Thema „narrative Kirchengeschichte und Religionspädagogik“. An seiner neuen Tätigkeit reizt Hauser die Aufgabe „Gottes Menschenfreundlichkeit mit Kindern und Jugendlichen zu entdecken und sprachfähig im Glauben zu werden, um über das zu reden, was uns trägt, hilft, stärkt und tröstet“.

Der Bildungsreferent der badischen Landeskirche, Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht würdigte Hauser als einen „fachlich hoch qualifizierten Religionspädagogen“. Als Schuldekan und Pfarrer habe dieser die Praxis von Schule und Gemeinde sehr genau kennen gelernt und besitze eine breite Erfahrung im Fortbildungsbereich.

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3. Mai 2012

«Predigten für das Auge»

Der Tübinger Künstler Martin Burchard fordert Umdenken der Protestanten in Bilderfragen

Von Diana König (epd) Eine Abstinenz von Bildern kann sich die Kirche in multimedialen Zeiten eigentlich nicht mehr
leisten. Das findet zumindest der Tübinger Künstler Martin Burchard, der durch einen wirren
Lebensweg zum christlichen Glauben gefunden hat.

Tübingen, Stuttgart (epd). In den meisten evangelischen Kirchengemeinden fehlt etwas für das Auge,
sagt Martin Burchard. Eine Bildabstinenz von Kirchen sei in einer multimedialen Zeit nicht hilfreich,
findet der in Tübingen lebende freischaffende Künstler und fordert ein Umdenken. «Visualisierer»
oder «Zeigwerker», so könnte die Bezeichnung des Menschen lauten, der sich in einer Gemeinde um
den Gebrauch von Bildern und Skulpturen kümmert. So einen Beauftragten sollte seiner Ansicht
nach jede Kirchengemeinde haben.

Mit kirchlichen Fragen hat sich Burchard nicht immer beschäftigt. Nach einer Jugend mit Marx,
Hausbesetzung und Joints kam für ihn eine lange Zeit der Suche. Fernöstliche Religionen
interessierten ihn sehr, bis ihm eines Tages klar war: «Ich will Christ werden.» Beharrlich habe er
dieses Ziel verfolgt, sagt Burchard heute, denn einfach ist ihm die Eingliederung in die evangelische
Kirche nicht gefallen.

Sowohl die kirchlichen Rituale als auch das Symbol des Kreuzes und die «christliche
Geheimsprache» mit Begriffen wie «Gnade» seien ihm vollkommen fremd gewesen. Trotz der
anfänglichen Schwierigkeiten gehört Burchard auch heute noch zur Tübinger Jakobusgemeinde, wo
er vor zwanzig Jahren zum ersten Mal zum Sonntagsgottesdienst ging.

Seine Auseinandersetzung mit dem Christentum geht Hand in Hand mit dem Beginn seiner
künstlerischen Karriere. Burchard beginnt erst mit Mitte dreißig zu malen, vorher arbeitet er als
Sozialpädagoge und Schreiner. Sein Lieblingsmotiv damals sind Lichtkreuze. Ein Versuch, dem von
Burchard zunächst als traurig empfundenen Kreuz eine positive Wendung zu geben. «Nicht mehr
Friedhof und Tod, sondern Auferstehung und Leben», beschreibt er seine Absicht.

Durch seine künstlerische Arbeit will Burchard heute Menschen «barrierefrei» zum Glauben
einladen. So ähnlich wie Werbung dürfe man seine Arbeit dabei verstehen, erklärt er, denn für ihn
stehe nicht die Kunst im Vordergrund, sondern die Botschaft. Seine Werke, die er gern als
«Zeigwerke des Glaubens» bezeichnet, drehen sich viel um den Gedanken der Auferstehung.
Begeistert hat sich Burchard deswegen auch an der Osteraktion im «Jahr des Gottesdienstes»
beteiligt, das die Evangelische Landeskirche in Württemberg in diesem Jahr feiert. Zwischen Ostern
und Pfingsten ist in 52 Gemeinden sein riesiges Tuch «Das leere Grab - Weg ins Licht» ausgestellt.

Solche Aktionen würde sich Burchard, der 2003 die «Auszeichnung für Kunst im Jahr der Bibel»
gewann, häufiger wünschen. Bilder und Skulpturen sollten im Gottesdienst und im Gemeindeleben
eine größere Bedeutung haben, sagt er, denn «sie sind Predigten für das Auge». Sie könnten mit
Wort und Musik gemeinsam ein anderes und umfassenderes Bild im Gottesdienst entstehen lassen
und so den Zugang zum christlichen Glauben einfacher machen, hofft Burchard.

Seine Werke sind unter anderem im Diakonieklinikum Stuttgart und im Evangelischen
Tagungszentrum Bernhäuser Forst zu sehen. Im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald lässt sich
Burchards «weiterweg» abschreiten. Zehn Stationen mit großen Installationen laden dort ein, Natur,
Leben und Glauben mit anderen Augen zu betrachten. (0878/02.05.2012)

Internet www.atelier-burchard.de , www.weiterweg.info

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3. Mai 2012

Prädikanten sind keine Ersatzpfarrer

Drei Fragen an: den neuen landeskirchlichen Beauftragten für den Prädikantendienst in Baden, Dieter Splinter

epd-Gespräch: Ralf Schick Karlsruhe, Freiburg. In bestimmen Regionen ist die Versorgung der Gottesdienste ohne
ehrenamtlich predigende Menschen nach Ansicht von Dieter Splinter nicht mehr möglich. Die
Kompetenzen dieser sogenannten Prädikanten will der neue landeskirchliche Beauftragte für den
Prädikantendienst in der Evangelischen Landeskirche in Baden stärken. «Das ist eines der
herausragendsten Ehrenämter in der Landeskirche», sagte der 58-Jährige am Mittwoch in einem
Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Welchen Stellenwert haben Prädikanten in der badischen Landeskirche?
Splinter: Prädikanten sind keine Ersatzpfarrer, sie sind eine wichtige Ergänzung zu den
hauptamtlichen Theologen. Ohne diese ehrenamtlich engagierten Prediger wären die hauptamtlichen
Theologen aufgeschmissen. Gerade in den ländlichen Regionen etwa in Nordbaden oder im
südbadischen Markgräflerland gibt es zahlreiche Vakanzen, die durch den Einsatz der Prädikanten
aufgefangen werden.

epd: Was ist das Besondere an dem Prädikantendienst?
Splinter: Diese Menschen, die ja von ihrer Gemeinde berufen werden und einen ganz anderen
Beruf haben, halten ohne ein Theologiestudium absolviert zu haben oftmals erstaunliche Predigten.
Da sind viele Naturtalente darunter, die unter anderem über sehr gute sprachliche Fähigkeiten und
auch ein sicheres Auftreten verfügen. Das sind Menschen, die aus einer anderen Perspektive heraus
predigen.

epd: Welche Voraussetzungen müssen Prädikanten für ihr Ehrenamt erfüllen?
Splinter: Prädikanten müssen unter anderem ins Ältestenamt einer Kirchengemeinde gewählt
werden können, regelmäßig am gottesdienstlichen Leben ihrer Gemeinde teilnehmen oder die
Ordnungen der Landeskirche bejahen. Von ihnen wird aber auch ein hohes Niveau und theologisches
Wissen erwartet, weshalb sie in Freiburg an der Evangelischen Hochschule in Grund- und
Aufbaukursen ausgebildet werden. Das ist eine Verknüpfung von Theorie und Praxis mit Menschen
aus ganz unterschiedlichen Berufen. (0883/02.05.2012)

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30. April 2012

Diakoniechef: Kindertagesstätten zu Familienzentren ausbauen

Karlsruhe, Bad Herrenalb (epd). Die kirchlichen Kindertageseinrichtungen sind in den vergangenen Jahren zu einem «Brenn- und Kristallisationspunkt sozialer und religiöser Wirklichkeit» geworden. Demnach treffen in den Kitas immer häufiger unterschiedliche Kulturen und Religionen, gegenläufige  Soziallagen sowie religiös-spirituelle Bedürfnisse aufeinander, sagte der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden, Urs Keller, am Freitag bei der in Bad Herrenalb tagenden Landessynode. Keller regte an, Kitas zu Familienzentren auszubauen.

An 15 Standorten in Baden sollen in den kommenden Jahren Familienzentren entstehen, in denen unter anderem Ausbildungen zu Elternberatern angeboten werden. Schließlich hätten die Kitas in den vergangenen Jahren «einen enormen Wandlungsprozess durchlaufen», sagte Keller. So steige die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund in den 626 badischen Einrichtungen - darunter drei in ökumenischer Trägerschaft - mit derzeit knapp 37.000 Plätzen kontinuierlich an. Rund 35 Prozent der Kinder hätten mittlerweile einen Elternteil mit ausländischer Herkunft.

Kitas leisteten seiner Ansicht nach einen großen Beitrag zur Integration und seien «das größte auf die Kirchengemeinde bezogene Arbeitsfeld», betonte Keller. In ihnen werde Offenheit, Toleranz und Wertschätzung vermittelt. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Gruppen in der Landeskirche durch den Ausbau der Krippenangebote von rund 1.600 auf knapp 1.800 angestiegen. Gewachsen sei auch die Zahl der pädagogischen Fachkräfte von 3.600 im Jahr 2006 auf mehr als 4.800 in diesem Jahr.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der «Evangelischen Mission in Solidarität» (EMS) wies Kirchenrätin Susanne Labsch darauf hin, dass durch eine neue Verfassung nun alle im EMS vertretenen 23 Kirchen in Europa, Afrika und Asien gleichberechtigt an den Entscheidungen der Missionsarbeit seien. Demnach sei das «Nord-Süd-Gefälle» innerhalb des Missionswerks beseitigt, betonte Labsch.

Die viertägige Sitzung der badischen Landessynode endete am Samstag. Sie ist mit derzeit 69 Landessynodalen das Kirchenparlament und vertritt rund 1,25 Millionen Protestanten in Baden von Wertheim bis zum Bodensee. Die Synode ist eines von vier kirchenleitenden Gremien neben dem Landesbischof, dem Oberkirchenrat und dem Landeskirchenrat. (0850/27.04.2012) Internet www.ekiba.de .

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30. April 2012

«Es gibt keine mobbingsichere Mediennutzung»

Experte: Erwachsene müssen für jugendliche Mediennutzer immer ansprechbar sein

epd-Gespräch: Susanne Müller Mössingen Der Mössinger Medienexperte Andre Lux fordert einen offensiven Umgang mit Cybermobbing. Es brauche nahe bei Kindern und Jugendlichen Experten, die jederzeit beratend eingreifen können, wenn Cybermobbing droht, sagte Lux in einem epd-Gespräch. Diese Form von Mobbing sei Missbrauch von Neuen Medien, um anderen gezielt zu schaden. Drei Jahre hat Lux in der Medienarbeit mit jungen Menschen Erfahrungen zum Cybermobbing gesammelt, die er auch Schülern vermitteln will.

Eine «mobbingsichere» Mediennutzung gebe es nicht, sagte Lux. Denn nicht die Medien seien der ausschlaggebende Grund für Cybermobbing, sondern die Jugendlichen selbst. «Und so lange es sozialen Kontakt, Gruppenbildung und Identifikation gibt, wird es auch Mobbing geben.» Mediennutzung zu verbieten, sei aber keine Lösung. «Viel wichtiger ist es, sich mit den Jugendlichen in ihrer Lebenswelt Internet auseinanderzusetzen und bereits im Vorfeld auf mögliche Probleme aufmerksam zu machen», meint Lux.

Strategien zum Umgang mit Cybermobbing und zur Abwehr müssten bereits mit Fünftklässlern eingeübt werden, betonte der Medienexperte. Schon Zehnjährige sollten erfahren: «Wir wissen, dass für euch bald Plattformen wie 'Facebook' und 'Kwik' interessant werden und ihr sie nutzen wollt, aber achtet dabei auf die verschiedenen Fallen!»

In Unterrichtseinheiten sollte den Schülern intensiv der Umgang mit den Neuen Medien beigebracht werden, forderte Lux. Das könne etwa mithilfe des Internet-Führerscheins oder eines Online-Passes geschehen. Wichtig sei dabei, dass die Heranwachsenden lernen, wie man sich auf Internetplattformen ausdrückt und was man unterlassen sollte, wie man sein «Profil» gestaltet und  wie man mit Bild- und Videoplattformen umgeht.

«Das Internet und auch der Handyumgang bieten eine riesige Themenvielfalt und genau so viele Gefahren», warnt Lux gezielt auch die Erwachsenen. Dieses Gefahrenpotenzial dürfe nicht unterschätzt werden. Streitfälle, bei der das Handy eine Rolle spielt, kommen nach Beobachtung von Andre Lux genau so oft vor wie Konflikte auf «Facebook» oder «Kwick».

Üblicherweise seien bei Mobbingattacken per Handy, die meist über beleidigende Kurznachrichten (SMS) laufen, jedoch nur die beiden Kontrahenten betroffen, sagt Lux. «Bei Beleidigungen oder bedenklichen Diskussionen in Social Networks sind mehr Menschen beteiligt, und meist zieht sich ein solcher Konflikt über einen viel längeren Zeitraum, weil Leute in diesen Konflikt beliebig ein- und aussteigen können.» (0848/27.04.2012)

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30. April 2012

Reformationsjubiläum 2017: Ein Fest europäischer Dimension

Aus Anlass der Einführung von Margot Käßmann als Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 in Berlin wies der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Thomas Wipf, auf die europäische Dimension der Reformation hin und kündigte das Projekt „Europa reformata - 500 Jahre Reformation“ an.

Wipf bezeichnete die Vorbereitungen der deutschen evangelischen Kirchen auf das Jubiläum 2017 als wichtige Impulse für die europäischen Kirchen der Reformation. Der GEKE, in der 105 Kirchen in Europa miteinander verbunden sind, komme die Rolle zu, das Reformationsgedenken in Europa in konfessioneller und geographischer Breite sichtbar zu machen. „Unser Projekt versteht sich als Ergänzung zu den zahlreichen Aktivitäten der Mitgliedskirchen in den einzelnen Ländern“, erklärt Wipf in seinem Grußwort in der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

„Europa reformata“ bietet Mitgliedskirchen die Möglichkeit, ihre Vorhaben miteinander zu vernetzen und zu präsentieren. Initiativen und Veranstaltungen unter der gemeinsamen Marke sollen die europäische Reformation als ein Geschehen mit verschiedenen geographischen und konfessionellen Brennpunkten bewusst machen. Städte, die während der Reformation oder für deren Entwicklung eine besondere Bedeutung hatten, können als Reformationsstädte Europas ebenfalls mit dem Label „Europa reformata“ ausgezeichnet werden. Das Projekt soll auf der Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa in Florenz im September auf den Weg geschickt werden.

„Die Vollversammlung wird sich auch intensiv mit der Bedeutung der Reformation für die Kirche der Zukunft und das Leben in unserer modernen Gesellschaft beschäftigen“, sagt Wipf. „Ein bloß historisches Gedenken der Reformation der christlichen Kirche, die vor 500 Jahren ihren Anfang nahm, ist zu wenig!“ Wesentlichen Anteil an der Vollversammlung werde daher das Forum „Evangelische Kirchen Europas im Aufbruch“ haben.

„Die Bedeutung der Reformation, ihre Wirkungsgeschichte bis in heutige Zusammenhänge und darüber hinaus ist aber auch ein Grund zu feiern“, betont GEKE-Präsident Thomas Wipf, „ein europaweites Fest an vielen Festplätzen und mit der Freude und Begeisterung derer, die einladen!“ Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa sei bereit für die intensive Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedskirchen für ein Gelingen dieses Festes der Freiheit und der Ermutigung.

Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft haben sich 105 protestantische Kirchen in Europa (und in Südamerika) zusammengeschlossen. Lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen gewähren einander durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Anschrift: GEKE-Geschäftsstelle, Severin-Schreiber-Gasse 3, 1180 Wien, Österreich, Tel.: +43.1.4791523.900, Telefax: +43.1.4791523.580, Email: office@leuenberg.eu , Internet: www.leuenberg.eu . Pressekontakt: Mag. Ingrid Monjencs, Tel. Mobil: +43.699.18878 052, Email: i.monjencs@leuenberg.eu  . 30.04.2012 Ingrid Monjencs

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28. April 2012

SYNODE: KIRCHE SETZT WEITER AUF NEUE MILIEUS / GEMEINDEFUSIONEN

Bad Herrenalb. Zum Abschluss der Frühjahrstagung hat die Präsidentin der Landessynode, Margit Fleckenstein, die Evangelische Kirche dazu aufgerufen, sich durch neue Formen der Jugendarbeit und durch das Internet weiter für kirchenferne Milieus zu öffnen. Landesbischof Dr. Ulrich Fischer begrüßte die Fusionen kleinerer Kirchengemeinden in der Badischen Landeskirche als „hoffnungsvolles Zeichen“.

„Wir können in der Kirche nicht warten, bis die Menschen auf uns zukommen, vielmehr müssen wir stets nach Wegen suchen, die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen“, sagte Fleckenstein. Deshalb begrüßte sie auch den Beschluss der Synode, ein neues Projekt der „milieusensiblen Jugendarbeit“ zu starten. Es sei eine dringende Aufgabe für die Kirche, „Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen“, so die Präsidentin. Auch die verstärkte Präsenz der Kirche im Internet könne diesem Ziel förderlich sein.

Landesbischof Ulrich Fischer würdigte in seiner Bilanz der Frühjahrstagung die von der Synode genehmigten fünf Fusionen kleinerer Kirchengemeinden in Baden zu größeren Einheiten. „Diese freiwilligen Zusammenschlüsse können ein Signal auch für andere Kirchengemeinden sein, die alleine auf Dauer nicht überleben können“, so Fischer. Allein im Kirchenbezirk Markgräfler Land hatten die Kirchengemeinderäte dreier Gemeinden beschlossen, zu fusionieren. Der Landesbischof zeigte sich zudem erfreut über die intensiven Gespräche der Synodalen zum Verständnis der Bibel in der heutigen Zeit: „Da ist ein sehr großer Respekt vor dem oftmals fremden Text der Bibel erkennbar“, sagte Fischer. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der „gemeinsamen Suche nach der tieferen Wahrheit der Bibel“.

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27. April 2012

KELLER: EVANGELISCHE KITAS LEISTEN GROSSEN BEITRAG ZUR INTEGRATION

Bad Herrenalb. Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden, Urs Keller, hat die Bedeutung der evangelischen Kindertagesstätten für Integration und Inklusion betont. "Kitas sind heute ein Brenn- und Kristallisationspunkt sozialer und religiöser Wirklichkeit", sagte der Oberkirchenrat auf der Landessynode.

"In ihnen wird Offenheit, Akzeptanz, Toleranz und Wertschätzung für Vielfalt gelebt und vermittelt." Die Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund in den mehr als 600 evangelischen Kitas in Baden steige stetig - in der Stadt wie auf dem Land.

Das Angebot wurde deutlich ausgebaut, von 1.645 Gruppen im Jahr 2008 auf 1.780 heute. Die Gesamtzahl der Plätze sank im gleichen Zeitraum leicht auf 37.000, weil immer mehr Kinder in Ganztagsgruppen und Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten betreut werden. Bei etwa einem Drittel der Kinder kommt mindestens ein Elternteil aus dem Ausland; nur noch weniger als die Hälfte besitzt überhaupt keinen Migrationshintergrund. Um die Kinder kümmern sich mehr Erzieherinnen und Erzieher: Die Zahl der pädagogischen Fachkräfte stieg seit 2006 um ein Drittel auf gut 4.800.

Keller sprach sich dafür aus, Kitas zu Familien- und Nachbarschaftszentren weiterzuentwickeln. "Diese sind eine enorme Chance für unsere Kirche in ihrem Dienst an der Welt von heute. Denn sie bieten benachteiligten Familien niederschwellige Unterstützung und Hilfeleistungen." Die Diakonie Baden will zunächst Kitas an 15 ausgesuchten Standorten in Familienzentren umwandeln.

Auf der Frühjahrstagung feierte die Landessynode am Freitag auch den 40. Geburtstag des EMS, zu dem sich das Missionswerk der evangelischen Landeskirchen im Südwesten eine neue Satzung gegeben hat. "Alle 23 Kirchen auf drei Kontinenten sind nunmehr gleichberechtigt an allen Entscheidungen zur Missionsarbeit beteiligt", erklärte Labsch: "Das Nord-Süd-Gefälle wird dadurch beseitigt."

Alle Kirchen in Afrika und Asien haben ihre Mitgliedschaft in der "Evangelischen Mission in Solidarität" erklärt, wie das frühere "Evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland" nunmehr heißt. Der künftige Internationale Missionsrat wird im Juni kommenden Jahres erstmals tagen - und zwar anlässlich des Jubiläums 450 Jahre Heidelberger Katechismus in Baden.

Der EMS-Geburtstag wurde in Bad Herrenalb mit Gästen begangen wie Helga Gilbert, Mitglied im ersten internationalen Missionsrat, und Kerstin Sommer, die einen Schüleraustausch mit den Schnellerschulen in Jordanien und dem Libanon organisiert. Auch Dr. Jerome Slamat aus Südafrika war gekommen: "In der Evangelischen Landeskirche in Baden und der badischen Ökumene habe ich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit erfahren", sagte der Pfarrer, der in den 90er Jahren in Karlsruhe-Durlach ökumenischer Mitarbeiter war, noch zur Zeit der Apartheid in Südafrika. "Wir haben mit der EMS Partnerschaften nach Südafrika entwickelt."

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25. April 2012

SYNODE: Kirche setzt auf Internet

Plädoyer für Abendmahl mit Kindern

Bad Herrenalb. Die Evangelische Landeskirche in Baden setzt verstärkt auf die Mitwirkung ihrer Gemeindeglieder im Internet. Auf der Frühjahrssynode plädierten die Kirchenvertreter zugleich dafür, häufiger das Abendmahl mit Kindern zu feiern.

„Das Internet ist ein absolutes Muss für die Kirche“, erklärte die Präsidentin der Synode, Margit Fleckenstein. Mit vielfältigen Angeboten wie Kurzandachten, Videobeiträgen oder seelsorgerlicher Beratung erreiche die Kirche im Netz Menschen in konkreten Lebenslagen und aus unterschiedlichen Milieus. Die Internet-Arbeit der Landeskirche setzt vor allem auf die Mitwirkung der Nutzer, zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook und Youtube. „Wir wollen mit unseren Besuchern ins Gespräch kommen und religiös interessante Themen diskutieren“, sagte Internet-Redakteur Oliver Weidermann. Die Neugestaltung der kirchlichen Präsenz im Netz trage der veränderten Nutzung auch kirchlich Distanzierter Rechnung. Ein leistungsfähiger Homepage-Baukasten diene zudem einer besseren Vernetzung kirchlicher Ebenen und Einrichtungen. „Künftig können Gemeinden Inhalte der landeskirchlichen Website leicht in den eigenen Auftritt integrieren“, sagte Weidermann.

Beim Thema Kindergottesdienst appellierten die Verantwortlichen an die Synodalen, in den Gemeinden häufiger das Abendmahl mit Kindern zu feiern. „Die Erfahrung zeigt, dass Gottesdienste auf diese Weise lebendiger und fröhlicher werden, ohne dabei an Feierlichkeit zu verlieren“, sagte Kindergottesdienstpfarrerin Christine Wolf. Bereits 2001 hatte die Synode getaufte Kinder generell zum Abendmahl zugelassen; vorher war dies erst nach der Konfirmation erlaubt gewesen. „Leider wird der Synodenbeschluss in vielen Gemeinden nicht umgesetzt“, beklagte Wolf. Den Kindern werde so die Möglichkeit genommen, „den Schatz des Abendmahls zu entdecken“. Für den Bildungsreferenten der Badischen Landeskirche, Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, steht das Abendmahl mit Kindern „für eine kindgerechte und familiengerechte Kirche“. Er plädierte dafür, das Thema verstärkt auch in die kirchliche Aus- und Fortbildung aufzunehmen.

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25. April 2012

Theologe: Protestanten haben zu Bildungskrise beigetragen

Stuttgart (epd). Die modernen Probleme in der Bildung hängen nach Ansicht des evangelischen Theologieprofessors Hans-Joachim Eckstein auch mit Einseitigkeiten des Protestantismus zusammen. Dieser habe von der Reformation an einen starken Fokus auf die Leistung gesetzt und ein negatives Bild vom Menschen gezeichnet, sagte Eckstein am Montag beim von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ausgerichteten Stuttgarter Lehrertag. Diese «Schatten» des Protestantismus hätten zu einer «schwarzen Pädagogik» beigetragen, bedauerte der Professor für Neues Testament an der Universität Tübingen.

Eckstein vertrat die Ansicht, die Grundlage von Bildung sei Beziehung und Vertrauen. Schon im Schöpfungsbericht werde der Mensch nicht als Leistungsträger, sondern als ein Gegenüber Gottes begriffen. Auch Jesus Christus sei es in erster Linie um Beziehungen zu den Menschen gegangen und darum, die Beziehung von Mensch und Gott wieder zu heilen. Gewalt bei jungen Menschen sei häufig ein Zeichen fehlender Beziehungen und mangelnden Selbstbewusstseins. Der Theologe und Landessynodale empfahl Lehrern, an den Beziehungen zu ihren Schülern zu arbeiten. Dazu müssten sie sich aber erst ihrer eigenen Beziehungen gewiss sein. «Wir lieben es, gebraucht zu werden, aber eigentlich brauchen wir es, geliebt zu werden», sagte Eckstein.

Der Bildungsdezernent der württembergischen Landeskirche, Oberkirchenrat Werner Baur, sieht in der Leistung von Lehrern nicht nur einen Dienst an der Schule, sondern an der Gesellschaft. Es sei traurig, dass Pädagogen nicht die gesellschaftliche Anerkennung genössen, die sie aufgrund ihres Beitrags für das Gemeinwesen eigentlich haben müssten. (0815/23.04.2012) Internet
www.lehrertag.elk-wue.de

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25. April 2012

FISCHER: GEGEN DIE „GEFANGENSCHAFT WÖRTLICHEN VERSTEHENS“ DER BIBEL

Bad Herrenalb. Vor der Frühjahrssynode hat Landesbischof Ulrich Fischer dafür plädiert, die Bibel aus der „Gefangenschaft wörtlichen Verstehens“ zu befreien. Die biblischen Texte müssten stets in den „Zusammenhang der damaligen Weltsicht, Wirklichkeitsdeutung und Lebenspraxis“ gestellt werden. Dennoch biete die Bibel auch im 21. Jahrhundert Orientierung in ethischen Fragen, wie Fischer am Beispiel der Sonntagsruhe zeigte.

Historische Zusammenhänge und gegenwärtiges Verständnis müssten stets Hand in Hand gehen, erklärte der Landesbischof in seinem Bericht vor der Landessynode. Die Bibel gleiche einem „Schloss, das jede Zeit und Generation neu aufschlüsseln muss“. Nicht Gott selbst rede im Alten und Neuen Testament unmittelbar, „sondern wir haben es mit menschlichen Worten zu tun, durch die uns Gottesworte und Gottesbilder vermittelt werden“, erklärte der promovierte Theologe. Eine gewisse Fremdheit biblischer Texte sei jedoch auch notwendig, damit „die Bibel uns etwas anderes sagen kann, als das was wir uns ständig selber sagen“.

Hinsichtlich der zahlreichen biblischen Einzelanweisungen, zum Beispiel zum Reichtum, zum Sklavenbesitz oder zur Homosexualität, müsse die Kirche „ethische Grundüberzeugungen“ herausarbeiten, sagte Fischer. Allen voran nannte er hierbei die Gebote der Gottes,- Nächsten- und Feindesliebe, das Eintreten für soziale Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung und das Sabbatgebot.

Am Beispiel der Sonntagsruhe zeigte Fischer, dass die biblische Überlieferung auch für die gegenwärtige Gesellschaft eine tiefere Bedeutung besitze. So könne das biblische Sabbatgebot hilfreich sein „für ein Ethos des Humanen angesichts der Gefahren einer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“. Die biblische Rede mache deutlich, wie wichtig es sei, „die Ökonomisierung aller Lebensbereiche zu unterbrechen und gemeinsam innezuhalten“. Die Gesellschaft werde „an ihrer Modernität ersticken, wenn sie nicht das Erbe des Sabbats bewahrt“, warnte der Landesbischof. Er rief alle monotheistischen Religionen dazu auf, sich gemeinsam für einen Ruhetag in einer ökonomisch bestimmten Welt einzusetzen.

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25. April 2012

FRÜHJAHRSTAGUNG DER LANDESSYNODE HAT BEGONNEN

Bad Herrenalb. Mit einem Gottesdienst im Haus der Kirche hat am Mittwoch die Frühjahrstagung der Landessynode begonnen. Bis zum Samstag beraten die 69 Synodalen unter anderem über die Internet-Arbeit der Landeskirche. Am Donnerstag spricht Landesbischof Ulrich Fischer in seinem Bericht vor der Synode über die Auslegung der Bibel.

Bereits im Eröffnungsgottesdienst nahm Oberkirchenrat Gerhard Vicktor das Thema auf. "Deutung eines biblischen Textes erfordert Sorgsamkeit und Toleranz gegenüber den anderen, Bemühen um gemeinsames Verstehen und Gewissensfreiheit für jeden einzelnen", betonte Vicktor in seiner Predigt.

Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein wies bei der Eröffnung der Tagung darauf hin, dass die Synodalen sich am Donnerstag auch mit dem innerkirchlichen Reformprozess Kirchenkompass beschäftigen. Eine Arbeitsgruppe legt aktualisierte Entwürfe für die Schwerpunktziele vor, die im Herbst beschlossen werden sollen. "Die badische Landeskirche muss auf die Zunahme prekärer Lebenssituationen reagieren", unterstrich die Justizrätin. Nötig seien etwa Projekte gegen Kinder- und Altersarmut in den Gemeinden.

Als "absolutes Muss" für die kirchliche Arbeit bezeichnete Fleckenstein das Internet. Das Zentrum für Kommunikation (ZfK) der Landeskirche gibt ebenfalls am Donnerstag einen Überblick über die Internet-Arbeit, die von der klassischen Website über Web-2.0-Angebote (Facebook, YouTube) bis zum innovativen "Twittagsgebet" reicht.

Über die Situation der Kindertagesstätten in der Landeskirche informiert am Freitag der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden, Oberkirchenrat Urs Keller. Die Synode feiert auch die Gründung der EMS (Evangelische Mission in Solidarität) vor 40 Jahren.

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23. April 2012

NEUE FORMEN DES ZUSAMMENLEBENS DER GENERATIONEN

Weihbischof Wehrle und Landesbischof Fischer fordern mehr Anerkennung

Eichstetten. Nach Ansicht von Weihbischof Professor Paul Wehrle und Landesbischof Dr. Ulrich Fischer sind aufgrund des demografischen Wandels neue Formen des Zusammenlebens der Generationen vor Ort notwendig.

„Neue Sozialformen des Miteinanders der Generationen können auch die Eltern-Generation von Erziehungsaufgaben gegenüber den Kindern und Betreuungsaufgaben gegenüber ihren Eltern entlasten. Daher müssen die notwendigen sozialen Netzwerke in Gestalt von Mehrgenerationenhäusern, Familienzentren oder sozialraumorientierten Zentren konkret von Seiten des Staates gefördert werden“, sagte Wehrle beim ökumenischen Aktionstag zur Woche für das Leben am Montag in Eichstetten.

Zusammen mit dem evangelischen Landesbischof Ulrich Fischer stellte Weihbischof Wehrle unter dem Leitwort „Generationenvertrag neu gestalten – Kann das Dorf Vorbild sein?“ kirchliche und kommunale Projekte vor, die an einer neuen Gestaltung des Miteinanders der Generationen arbeiten und sich inzwischen in der Praxis bewährt haben.

Problematisch ist nach Ansicht von Weihbischof Wehrle vor allem die gesellschaftliche Wahrnehmung: „Die Generationen werden primär unter dem Gesichtspunkt ihres jeweiligen Nutzens für die anderen und für die Gesellschaft in den Blick genommen. Kein Mensch ist aber lediglich Mittel zum Zweck.“ Nach den Worten des Freiburger Weihbischofs betont das biblische und christliche Menschenbild die Würde eines jeden Menschen vor Gott und von Gott her und die hebt die Eigenwertigkeit des Menschen hervor: „Der Mensch ist sich, vor allem Leistungsanspruch an ihn, zunächst selbst geschenkt und darf sich und seine Fähigkeiten entfalten.“ Im Hinblick auf das Zusammenleben der Generationen sei deshalb ein Umdenken im Alltag notwendig.

„Familie ist mehr als Ehe, Eltern und Kinder, Familie ist auch mehr als Eltern und Großeltern“, sagte Weihbischof Wehrle. In Mehrgenerationenhäusern könne es neue Formen des Zusammenlebens auch dort geben, wo verwandtschaftliche Verhältnisse nicht bestehen, betonte Wehrle: „Ältere Menschen können dann ihre Erfahrungen an nachfolgende Generationen weitergeben und werden im Rahmen ihrer Möglichkeiten gebraucht, ohne dabei überfordert zu werden. Kinder können sich entfalten und sind gerade dabei auf Orientierung und Vorbilder angewiesen.

Zugleich kann Verantwortung für das Älterwerden und die Sorge um die Alten gelernt werden: Kinder und ältere Menschen können sich gegenseitig ergänzen und bereichern.“ Zugleich benötigten diese neuen Formen des Zusammenlebens eine eigene Wertschätzung, die bisher noch vielerorts fehle, sage Wehrle: „Nicht nur Erwerbsarbeit, sondern auch Familienarbeit und Generationenarbeit müssen honoriert und geschätzt werden – vor allem dadurch, dass dieses Engagement gesellschaftlich anerkannt wird.“

Der evangelische Landesbischof Ulrich Fischer (Baden) plädierte ebenfalls für neue Formen des Zusammenlebens von Alten und Jungen. „Wo das Miteinander der Generationen gelingt, wird der Gesellschaft Zukunft eröffnet“, sagte Fischer. Angesichts demografischer Veränderungen müsse „eine Gesellschaft Gestalt gewinnen, in der sowohl der Wert und die gottgegebene Würde des einzelnen Menschen als auch der Grundsatz der Gerechtigkeit zwischen den Generationen Geltung haben“, erklärte der Landesbischof.

Die „Achtung vor der Würde des Alters und das vorbehaltlose Ja zu Kindern“ gingen Hand in Hand. Beide Kirchen böten vielfältige Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren und förderten neue gemeinschaftliche Wohn- und Lebensformen, etwa in Gestalt auch evangelischer Kommunitäten. Der evangelische Landesbischof regte an, die Kirchengemeinden zu einem „familiären Netzwerk“ zu entwickeln und nannte „Senior-Junior-Modelle zwischen Christen der Großeltern-Generation und Heranwachsenden“ als Beispiel.

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